Unter die­sem Titel prä­sen­tiert das Lie­bieg­haus noch bis zum 3. Mai 2026 Tier­skulp­tu­ren des Bild­hau­ers August Gaul in einer Son­der­aus­stel­lung. Anläss­lich des 7. „Les­sing-Gym­na­sium trifft Lie­bieg­haus-Tags“ konnte die Gale­rie am Sams­tag, dem 14. März 2026, mit ver­schie­de­nen Füh­run­gen besucht wer­den — auch dank enga­gier­ter Müt­ter, die bei der Orga­ni­sa­tion und Durch­füh­rung der Ver­an­stal­tung unter­stütz­ten. Hier fin­den Sie ver­linkt den am 16.03.26 in der Frank­fur­ter Neuen Presse erschie­nen Zeitungsartikel.

Zur Vor­be­rei­tung einer Schüler/innenführung hatte Judith Bohl, Latein- und Grie­chisch­leh­re­rin am Les­sing-Gym­na­sium, die Aus­stel­lung bereits vorab mit den Schü­le­rin­nen und Schü­lern ihres aktu­el­len Grie­chisch­kur­ses der 8. Jahr­gangs­stufe besucht. Diese hat­ten beson­dere the­ma­tisch pas­sende Expo­nate aus­ge­sucht, die sie nun den Besucher/innen zeig­ten und erläu­ter­ten. So wie bei­spiels­weise Jonas und Julius aus der Klasse 8b, die Gauls im Jahre 1900 geschaf­fene „Eule auf dem Haupt der Göt­tin Athena“ vor­stell­ten. Hier sitzt eine rea­lis­tisch gestal­tete bron­zene Eule auf Kinn und Mund des Mar­mor­kop­fes von Athene, der Göt­tin der Weis­heit. Gaul stürzt Athene, die für das Stra­te­gi­sche, das Kal­kül steht, gewis­ser­ma­ßen; sie ist zer­bro­chen, unfä­hig zu spre­chen. Gaul schuf die Skulp­tur für kei­nen gerin­ge­ren als den deut­schen Lite­ra­ten und Lite­ra­tur-Nobel­preis­trä­ger Ger­hart Haupt­mann, wel­cher den Natu­ra­lis­mus wie kaum ein ande­rer prägte. Folg­lich drängt sich die Deu­tung der bei­den Acht­kläss­ler gera­dezu auf: Die schöne Kunst der Antike ist der kla­ren, har­ten Sicht auf das Leben unterlegen.

Die hier zum Aus­druck kom­mende Kri­tik Gauls zieht sich wie ein roter Faden durch die Aus­stel­lung, fast meint man an der einen oder ande­ren Stelle im Museum einen gewis­sen Schalk des Künst­lers zu erken­nen. Etwa in der aus Bronze geschaf­fe­nen Por­trät­büste des Zoo­af­fen ‚Jumbo‘ („Por­trät des Orang-Utan ‚Jumbo‘“, 1895) — einem For­mat, das bis dahin nur beson­de­ren Per­sön­lich­kei­ten vor­be­hal­ten war -; oder in sei­nen Esel­dar­stel­lun­gen der „Esel­se­rie“, in denen er sich gera­dezu lie­be­voll den ver­schie­de­nen Lebens­um­stän­den die­ses Tie­res wid­met; oder aber in der über­gro­ßen Her­mes-Skulp­tur („Mer­kur (Her­mes)“, 1911–13), die den bei Grie­chen und Römern glei­cher­ma­ßen belieb­ten Gott des Han­dels (und der Diebe) statt mit einer den anti­ken Schön­heits­idea­len ent­spre­chen­den ath­le­ti­schen Phy­sio­gno­mie hier als hage­ren und split­ter­fa­ser­nack­ten Ver­tre­ter der Arbei­ter­schicht, näm­lich als Minen­ar­bei­ter, darstellt.

Schon wäh­rend sei­ner künst­le­ri­schen Aus­bil­dung ermög­lichte eine Dau­er­karte des Ber­li­ner Zoos August Gaul ein aus­gie­bi­ges Stu­dium der Tiere, wel­ches sich in sei­nen zahl­rei­chen Skiz­zen und spä­ter­hin in sei­nen unzäh­li­gen Tier­skulp­tu­ren ver­schie­dens­ter Größe nie­der­schlug. Dabei sah Gaul sich stets als Beob­ach­ter, der ver­sucht, den Cha­rak­ter des jewei­li­gen Tie­res im Kunst­werk ein­zu­fan­gen. So wollte er gar nicht so sehr „die Natur pedan­tisch imi­tie­ren, son­dern das Typi­sche und ihren Kern fest­hal­ten“ (Gaul über seine Arbeit). Diese The­ma­tik war auch Gegen­stand der Exper­ten­füh­rung des Kura­tors der Aus­stel­lung, Prof. Dr. Vin­zenz Brink­manns, wel­che zudem auch exklu­sive Ein­bli­cke in kura­to­ri­sche Ent­schei­dun­gen bot.

Wäh­rend es im Erd­ge­schoss des Lie­bieg­hau­ses also vor­ran­gig um das kogni­tive Stu­dium der Tier­plas­ti­ken Gauls ging, konn­ten sich vor allem die Jün­ge­ren unter den Gäs­ten im Unter­ge­schoss in ent­spre­chen­den Work­shops — immer mit dem Bezug zum Thema Tier — krea­tiv mit den betrach­te­ten Kunst­wer­ken aus­ein­an­der­set­zen und eigene Kunst­ar­bei­ten auf oder aus Papier schaf­fen. Des Wei­te­ren war­te­ten die Achtklässler/innen mit einem eigens ent­wor­fe­nen Tier-Rät­sel auf, das die Besucher/innen durch die Aus­stel­lung führte.

Text und Fotos: K. Gellen