Grie­chisch zum Anfas­sen, Anhö­ren und Erle­ben gab es in der Aula unse­rer Schule am 30. Okto­ber von 18:00 bis 21:00 Uhr. Die seit 2017 bestehende Koope­ra­tion zwi­schen dem Les­sing-Gym­na­sium und der Uni­ver­si­tät Frank­furt, wel­che schu­li­sches Ler­nen mit wis­sen­schaft­li­cher For­schung ver­knüpft, hatte die viel­be­suchte Ver­an­stal­tung unter das Motto „Sokra­tes meets Odys­seus“ gestellt, ein fik­ti­ves Auf­ein­an­der­tref­fen zweier groß­ar­ti­ger anti­ker Figuren.

Zunächst konn­ten sich die Besucher/innen in grie­chi­sche Gewän­der klei­den las­sen und mit­tels einer com­pu­ter­ge­steu­er­ten Foto-Col­lage leib­haf­tig in die antike Welt ein­tau­chen oder in der Lese­ecke die span­nen­den Aben­teuer und Mythen der grie­chi­schen Hel­den mit­er­le­ben. Außer­dem konnte man sich in Sachen Urnen­gang und Zeit­mes­sung infor­mie­ren und anschlie­ßend sein Wis­sen mit­tels eines Domino-Spiels und Mul­ti­ple Choice-Auf­ga­ben über­prü­fen. Die ver­schie­de­nen Mit­mach­sta­tio­nen wur­den vom Grie­chisch­leh­rer Herrn Wirtz, von Schüler/innen des Grie­chisch­kur­ses der Jahr­gangs­stu­fen 8 und 9, Stu­die­ren­den der Goe­the-Uni und Mit­glie­dern des Les­sing-Biblio­theks­teams auf­ge­baut und betreut.

Zeit­gleich fan­den in zwei angren­zen­den Klas­sen­räu­men Work­shops statt. Mat­tis Heyne, M.A. — wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter am Insti­tut für Klas­si­sche Phi­lo­lo­gie der Goe­the Uni­ver­si­tät Frank­furt — wid­mete sich anhand eini­ger exem­pla­ri­scher Pas­sa­gen dem Vor­trag des Odys­seus-Pro­ömi­ums. Die von ihm vor­ge­tra­ge­nen unge­fäh­ren Into­na­ti­ons­kur­ven inner­halb des Ambi­tus einer Quinte durfte das Publi­kum selbst auch aus­pro­bie­ren. Inter­es­sante Ein­bli­cke in die Geschichte des grie­chi­schen Alpha­bets erhiel­ten die Zuhörer/innen bei Frau Dr. Heike Bot­t­lers und Herrn Dr. Manuel Fischers Work­shop (beide Grie­chisch­lehr­kräfte unse­rer Schule). An ein­drück­li­chen Bei­spie­len konnte die von ägyp­ti­schen Hie­ro­gly­phen aus­ge­hende Ent­wick­lung unse­rer heu­ti­gen Schrift nach­voll­zo­gen werden.

Fort­set­zung nach der Bildergalerie

Zur nun begin­nen­den Abend­vor­stel­lung fan­den sich alle Besucher/innen in der Aula ein. Schul­lei­ter Herr Hen­kel freute sich über das große Inter­esse an der leben­di­gen Antike. Man­che Fra­gen blie­ben über Jahr­hun­derte, ja sogar Jahr­tau­sende aktu­ell und seien gerade am Les­sing-Gym­na­sium mit sei­nem Schwer­punkt auf huma­nis­ti­scher und musi­ka­li­scher Bil­dung am rich­ti­gen Platz. Das vor­ge­tra­gene Gruß­wort des hes­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Boris Rhein, der selbst ein­mal Schü­ler unse­rer Schule war, schlug sodann die Brü­cke zur Rele­vanz sol­cher The­men in unse­rer heu­ti­gen Gesell­schaft: Mit der Rück­be­sin­nung auf die Stär­ken der Antike – Zuhö­ren, Abwä­gen, beson­ne­nes Urtei­len – gehe ein tie­fe­res Ver­ständ­nis für die Tra­di­tion von Aus­ein­an­der­set­zung, Dis­kus­sion und Offen­heit ein­her, das zu grö­ße­rem gesell­schaft­li­chem Zusam­men­halt führe.

Anschlie­ßend gewährte Pro­fes­sor Guido Pfei­fer vom Insti­tut für Rechts­ge­schichte der Uni­ver­si­tät Frank­furt einen kur­zen Ein­blick in die Geschichte des grie­chi­schen Rechts, indem er auf Odys­seus‘ Aben­teuer auf der Insel der Zyklo­pen ein­ging. Tat­säch­lich lasse sich aus der Vor­stel­lung und Beschrei­bung der Zyklo­pen als mons­tröse Gestal­ten eini­ges über die grie­chi­sche Zivi­li­sa­tion um 800 v. Chr. ablei­ten. Diese habe sich über das Betrei­ben von Acker­bau, über den Anbau von Wein sowie über die Befä­hi­gung zu öffent­li­cher Ver­samm­lung defi­niert. Anschau­lich erläu­terte Prof. Pfei­fer am Bei­spiel einer sehr frü­hen, in Kapi­ta­len geschrie­be­nen Rechts­samm­lung, wel­che Bedeu­tung gerade der Acker­bau für die Ent­wick­lung der Schrift ein­nahm. Denn es lasse sich eine Schreib­weise nach­wei­sen, die in der ers­ten Zeile von links nach rechts ver­laufe, in der nächs­ten Zeile dann aller­dings von rechts nach links und so wei­ter. Die Bezeich­nung für diese Schreib­weise, „Bous­tro­phe­don“, was wört­lich über­setzt „wie der Ochse pflügt“ heißt, lege die enge Ver­knüp­fung der ver­schie­de­nen Berei­che offen.

Ganz kon­kret wurde es dann auch bei dem Koch­re­zept, mit dem Frau Judith Bohl, Latein- und Grie­chisch­leh­re­rin an unse­rer Schule, an das Schule-Uni-Pro­jekt aus dem Jahr 2022 erin­nerte, wel­ches sich dem Pro­zess gegen Sokra­tes gewid­met hatte. Die erfolg­rei­che Koope­ra­tion zwi­schen Les­sing-Gym­na­sium und Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt schlug sich nie­der in dem in die­sem Jahr erschie­ne­nen Buch „Sokra­tes revi­sed and revi­si­ted: Über­lie­fe­rung, Dis­kurs, Insze­nie­rung“ (Hei­del­berg, Pro­py­laeum, 2026). Vor­ge­stellt wurde das Buch hier nun von der Mit­her­aus­ge­be­rin Frau Dr. Vero­nika Bran­dis (Insti­tut für Klas­si­sche Phi­lo­lo­gie der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt) sowie von vier Ehe­ma­li­gen und einer aktu­el­len Les­sing­schü­le­rin, wel­che eine Rede­probe zu Gehör brach­ten, die den Sokra­tes-Pro­zess nach­in­sze­nierte: Zwei Anklä­ger sowie ein Ver­tei­di­ger wid­men sich der Frage nach Sokra­tes‘ Schuld.

Ihr Wis­sen konn­ten die Zuhörer/innen bei einem vom Grie­chisch­kurs der E‑Phase vor­be­rei­te­ten Kahoot-Quiz unter der Lei­tung der Kurs­lei­te­rin Frau Sofia-Elena Flo­ros tes­ten. Ziel war es, in weni­gen Sekun­den aus vier mög­li­chen Ant­wor­ten die eine rich­tige aus­zu­wäh­len. Dabei ent­stamm­ten die Fra­gen Berei­chen wie Grie­chen­lands Geschichte, Gram­ma­tik, Lite­ra­tur, Lan­des­kunde, Reli­gion, Recht oder auch Beson­der­hei­ten der Kriegs­füh­rung. Von den unter­schied­li­chen Grup­pen, die hier gegen­ein­an­der antra­ten, gin­gen am Ende die Stu­die­ren­den klar als Sieger/innen hervor.

Den musi­ka­li­schen Aus­klang des Pro­gramms bil­dete der Vor­trag eines Epi­taphs für Sei­ki­los, vor­ge­tra­gen von Mat­tis Heyne (Tenor) und dem Les­sing­schü­ler Roman Sau­ter (Block­flöte).

Mit grie­chi­schem Essen und Wein vom regio­na­len Wein­gut Peters­hof konnte man beim anschlie­ßen­den Emp­fang im Foyer mit­ein­an­der ins Gespräch kom­men und die rundum gelun­gene Ver­an­stal­tung aus­klin­gen lassen.

Gro­ßer Dank gebührt allen an der Ver­an­stal­tung Betei­lig­ten, sei es in der Vor­be­rei­tung oder Durch­füh­rung. Allen voran natür­lich Frau Bohl, die in mühe­vol­ler Vor­ar­beit gemein­sam mit der Schul­el­tern­bei­rats­vor­sit­zen­den Frau Fried­rich und mit Frau Vie­ten vom Bund der Freunde die­sen Abend vor­be­rei­tet hatte. Außer­dem allen Redner/innen, den Ehe­ma­li­gen, der gesam­ten Grie­chisch-Fach­schaft des Les­sing-Gym­na­si­ums, dem Schul­el­tern­bei­rat und dem Bund der Freunde, allen betei­lig­ten Grie­chisch-Schü­ler/in­nen, den Köchen und Köchin­nen sowie der Tech­nik-AG, die wie­der ein­mal für einen tech­nisch ein­wand­freien Ablauf sorgte.

Text: Karen Gel­len
Fotos: Karen Gellen