Am Vor­mit­tag hat­ten die Schüler/innen der Klasse 5a im Bio­lo­gie­un­ter­richt noch die ver­schie­de­nen Ver­hal­tens­wei­sen des Hun­des stu­diert — am Nach­mit­tag durf­ten sie die künst­le­ri­sche Dar­stel­lung von Tie­ren und ihre Cha­rak­ter­züge an Expo­na­ten der August Gaul-Aus­stel­lung im Lie­bieg­haus begutachten.

Dies ermög­lichte eine Exkur­sion am 11. Sep­tem­ber 2026, die allen Sextaner/innen des Les­sing-Gym­na­si­ums zuteil­wurde. In acht Grup­pen zu je 15 Kin­dern wur­den sie durch das Kunst­haus geführt und erhiel­ten sehr infor­ma­tive Kurz­vor­träge von Grie­chisch-Schü­ler/in­nen der 8. und 9. Jahr­gangs­stufe. Letz­tere hat­ten sich dank ihrer Grie­chisch-Leh­re­rin Judith Bohl mit dem Tier­bild­hauer August Gaul und sei­nem Oeu­vre inten­siv aus­ein­an­der­ge­setzt und gaben ihre Erkennt­nisse nun an die Jün­ge­ren weiter.

Denn nicht zufäl­lig hatte der Künst­ler gerade Tiere wie Löwen, Adler oder den Orang-Utan “Jumbo” als Modelle für seine Skulp­tu­ren aus­er­ko­ren — Tiere, denen im All­ge­mei­nen Attri­bute wie “mäch­tig”, “aggres­siv” oder “gefähr­lich” zuge­schrie­ben wer­den. Wie anders prä­sen­tier­ten sich aber die Expo­nate im Lie­bieg­haus: ein gelas­se­nes Löwen­paar, von des­sen Ruhe eine erstaun­li­che Sou­ve­rä­ni­tät aus­geht; ein melan­cho­li­scher lebens­gro­ßer Men­schen­affe, des­sen trau­ri­ger Blick den Betrach­ter in die ver­letzte Seele bli­cken lässt; ein für­sorg­li­cher Adler beim sanf­ten Lan­de­an­flug auf das Nest — um hier nur einige Ver­tre­ter zu nennen.

Mit sei­ner beson­de­ren Sicht auf die Tiere stand Gaul zu sei­ner Zeit allein da, denn der Zeit­geist war ein ganz ande­rer: Man wollte die Tiere viel eher in mäch­ti­ger, bedroh­li­cher und aggres­si­ver Pose dar­stel­len. Somit gilt Gaul als Revo­lu­tio­när in der Bild­haue­rei um die Jahr­hun­dert­wende. Seine Kunst fas­zi­nierte und über­raschte damals wie heute, denn auch die jun­gen Ausstellungsbesucher/innen vom Les­sing-Gym­na­sium betrach­te­ten die ihnen vor­ge­stell­ten Tiere nun mit einem ganz ande­ren Blick.

Tat­kräf­tige Unter­stüt­zung erhielt die Orga­ni­sa­to­rin der Ver­an­stal­tung, Judith Bohl, von vie­len Sei­ten: Die Schul­el­tern­bei­rä­tin­nen Frau Fried­rich und Frau Vie­ten hal­fen bei der Pla­nung und Rea­li­sie­rung der Unter­neh­mung, Frau Rikas ver­sorgte alle Betei­lig­ten vorab noch mit einem lecke­ren Mit­tag­essen, Herr Jockers vom Bund der Freunde war eigens zur Unter­stüt­zung vor Ort ange­reist und zahl­rei­che Lehr­kräfte sowie alle Griechischschüler/innen und sogar einige Eltern hal­fen bei der logis­ti­schen Umset­zung des Vor­ha­bens. Ihnen allen sei an die­ser Stelle herz­lich gedankt.

Text und Fotos: Karen Gellen