Am Mitt­woch, den 18.03.2026 war der Lie­der­ma­cher und Chan­so­nier Sebas­tian Krä­mer zu Besuch am Les­sing-Gym­na­sium. Die Schü­le­rin­nen und Schü­ler der gesam­ten Ober­stufe sowie ein­zelne Klas­sen der Jahr­gangs­stufe 9 hat­ten sich zu Beginn der 5. Stunde in der Aula ver­sam­melt. Nach­dem Herr Krä­mer ein paar Stü­cke aus sei­nem Reper­toire vor­ge­tra­gen hatte, war noch Gele­gen­heit, dem Künst­ler Fra­gen zu stel­len. Ein aus­führ­li­cher Bericht von D. Wil­bers fin­det sich unter der Bil­der-Gale­rie. Alle anwe­sen­den Schü­le­rin­nen und Schü­ler hat­ten am Mitt­woch die Gele­gen­heit, mit Sebas­tian Krä­mer einen beson­de­ren Klein­künst­ler mit sei­ner ganz eige­nen Text- und Ton­spra­che kennenzulernen.

In der fol­gen­den Gale­rie sind ein paar Bil­der der Ver­an­stal­tung zu sehen.

Sebastian Krämer zu Besuch am Lessing-Gymnasium

Man kann dem Schul­all­tag am Les­sing-Gym­na­sium vie­les vor­wer­fen – nur sel­ten, dass er über­ra­schend ist. Der 18.03.2026 war aller­dings eine die­ser Aus­nah­men: Aula statt Unter­richt, Bühne statt Tafel, und eine Ober­stufe, die sich irgendwo zwi­schen Neu­gier und vor­sich­ti­ger Skep­sis ein­ord­net.
Zu Gast ist Sebas­tian Krä­mer – ein Name, der bei den meis­ten zunächst keine kla­ren Erwar­tun­gen aus­löst. Ent­spre­chend ver­hal­ten beginnt auch die Atmo­sphäre im Raum. Krä­mer betritt die Bühne ohne große Insze­nie­rung und beginnt schlicht zu sin­gen. Kein erklä­ren­der Ein­stieg, kein klas­si­sches „Abho­len“ des Publi­kums. Statt­des­sen ein Lied über ein “Ding, das die Treppe run­ter­ge­hen kann” aus sei­ner Jugend – und damit ein Auf­takt, der eher irri­tiert als sofort begeistert.

Im wei­te­ren Ver­lauf ent­fal­tet sich ein Pro­gramm, das sich bewusst nicht anbie­dert. Lie­der über Brü­der und Schwes­tern oder eine gemeine Sehn­sucht wir­ken zunächst unge­wohnt, spie­len mit Spra­che, Wie­der­ho­lung und klei­nen Ver­schie­bun­gen. „Immer noch da, aber unsicht­bar“ geht noch einen Schritt wei­ter und ver­bin­det das Gesun­gene nicht nur mit All­tags­ko­mik, son­dern auch mit gesell­schaft­li­cher Kri­tik. Vie­les bleibt dabei offen, man­ches erschließt sich erst im Nach­hin­ein – oder auch gar nicht. Gerade das sorgt jedoch dafür, dass der Auf­tritt Auf­merk­sam­keit ein­for­dert, statt sie ein­fach zu bedie­nen.
Spür­bar ist dabei auch die Ent­wick­lung im Publi­kum. Aus anfäng­li­cher Zurück­hal­tung wird nach und nach ein auf­merk­sa­mes Zuhö­ren, unter­bro­chen von ver­ein­zel­ten Lachern und Momen­ten, in denen sich die Aula kol­lek­tiv fragt, ob sie gerade genau ver­stan­den hat, was auf der Bühne pas­siert – oder ob genau darin der Punkt liegt.

Eine beson­dere Dyna­mik ent­steht dann aus einer schein­bar bei­läu­fi­gen Situa­tion her­aus: Zwei Schü­le­rin­nen aus der E‑Phase mel­den sich und fra­gen, ob sie mit­sin­gen dürf­ten. Was zunächst wie ein kur­zer, viel­leicht nicht ganz ernst gemein­ter Ein­wurf wirkt, nimmt plötz­lich eine uner­war­tete Wen­dung – denn Krä­mer greift die Idee auf und bit­tet die bei­den tat­säch­lich nach vorne.
Was folgt, ist einer die­ser sel­ten plan­ba­ren Momente, in denen sich ein Auf­tritt ver­selbst­stän­digt. Die Szene bewegt sich irgendwo zwi­schen Spon­ta­nei­tät und Impro­vi­sa­tion, zwi­schen muti­gem Mit­ma­chen und einer gewis­sen, kaum zu über­se­hen­den Situa­ti­ons­ko­mik. Die gesamte Aula reagiert – nicht mit ver­hal­te­nem Schmun­zeln, son­dern mit ehr­li­chem, teil­weise kaum zurück­halt­ba­rem Lachen, dem sich auch die Lehr­kräfte nicht ent­zie­hen. Es ist kein geplan­ter Höhe­punkt, son­dern eher ein Moment, der gerade durch seine Unmit­tel­bar­keit wirkt und dadurch in Erin­ne­rung bleibt.

Der Auf­tritt kehrt danach wie­der in ruhi­gere Bah­nen zurück, ohne die­sen Ein­druck ganz abzu­schüt­teln. Und es ist genau diese Mischung aus Unvor­her­seh­bar­keit und Eigen­wil­lig­keit, die den Vor­mit­tag prägt. Kein klar struk­tu­rier­ter „Pro­gramm­punkt“, kein durch­in­sze­nier­tes Event – son­dern eher ein Ablauf, der Raum lässt für das Uner­war­tete.
Am Ende bleibt weni­ger ein geschlos­se­nes Gesamt­bild als viel­mehr eine Reihe von Ein­drü­cken: ein­zelne Lie­der, unge­wöhn­li­che Texte, spon­tane Situa­tio­nen und ein Publi­kum, das sich im Laufe der Zeit dar­auf ein­ge­las­sen hat. Und viel­leicht ist genau das der ent­schei­dende Unter­schied zu einem gewöhn­li­chen Schul­tag – dass nicht alles sofort ver­ständ­lich sein muss, um den­noch Wir­kung zu entfalten.